03.1 Die Schrift
Die thailändische Schrift wird, wie es auch im Deutschen gebräuchlich ist, von links nach rechts geschrieben. Das ist wohl die einzige Übereinstimmung, die das thailändische und deutsche Schriftsystem aufweisen. Zwischen den thailändischen und lateinischen Schriftzeichen sucht man nach Ähnlichkeiten vergeblich.
Das Thai hat eine eigene, sehr komplexe Schrift, die selbst vielen nativen Sprechern Probleme bereitet. So gab es bis dato schon drei Versuche (1847, 1917, 1942), die komplizierte Orthographie zu vereinfachen. Letztendlich wurden aber alle Rechtschreibreformen rückgängig gemacht, weil man einen kulturellen Verlust befürchtete. Die Leseweise der thailändischen Schrift lässt sich nicht anhand eines einfachen Prinzips mit wenigen Regeln erklären. Es gibt eine Fülle von Ausnahmen.
Das Thai hat kein umfassendes Alphabet, das sowohl die Konsonanten als auch die Vokale beinhaltet. Im deutschen Abc werden mit Ausnahme der Umlaute ä, ö, ü und des ß alle Buchstaben genannt. Im Thai führt man die Konsonanten und Vokale jedoch gesondert auf.
Die thailändischen Vokale stellen beim Erlernen der Schrift wahrscheinlich die größte Schwierigkeit dar, denn es gibt 21 Vokal–Zeichen, mit denen 32 Vokal–Laute (und eine Reihe von Vokal–Lautvarianten) gebildet werden können. Jeder Vokal hat in Bezug auf den betreffenden Konsonanten eine bestimmte Position. Sie kann sich vor, hinter, über, aber auch unter diesem befinden.
Neben den einfachen Vokalen gibt es noch die Vokal–Verbindungen. Diese bestehen aus Kombinationen eines einfachen Vokals mit bestimmten Konsonanten oder aus zwei oder mehr einfachen Vokalen, die um den Konsonanten herum platziert werden.
Das Thai hat sogenannte inhärente Vokale /a, o, ɔ:/, d. h. diese Vokale wohnen einer Silbe inne, man könnte auch sagen, sie haften einer Silbe an oder anders ausgedrückt: Diese Vokale werden gesprochen, aber nicht geschrieben. Sie sind sozusagen unsichtbar. Auf der anderen Seite hat es Buchstaben, die im Schriftbild auftauchen, aber nicht artikuliert werden.
Ein weiteres Phänomen, das dem Deutsch-Muttersprachler anfangs sicherlich große Probleme bereitet, ist Folgendes: Wortgrenzen werden im Thai nicht durch Zwischenräume kenntlich gemacht. Gegebenenfalls werden Satzenden oder einzelne Sinneinheiten durch Leerstellen gekennzeichnet. Aber dies liegt ganz im Ermessen des Verfassers, denn es fehlt eine feste Regel dafür, wann man eine Leerstelle lässt und wann nicht.
Noch eine Schwierigkeit besteht darin, dass es im Thai keine Groß- und Kleinschreibung gibt. Nomen erkennt man im Deutschen sehr gut an den großgeschriebenen Anfangsbuchstaben. Beim Lesen eines deutschen Textes hilft die Großschreibung von Nomen bei der ersten Orientierung. Im Thai sucht man diese Orientierungshilfe vergeblich.
Auch das Fehlen von Interpunktion erschwert das Sich-Zurechtfinden im Text, denn man verwendet keine Satzzeichen wie z. B. Punkt oder Komma als Gliederungsmerkmale.
Zu allem Übel hat es eine ganze Reihe von Wörtern bzw. Wortkombinationen, die auf unterschiedliche Weise gelesen werden können. So weist beispielsweise das Wort เพลา zwei Lesarten auf. Zum einen spricht man es /Plau/ aus und bedeutet dann Achse, Welle. Zum anderen hat เพลา die Bedeutung Zeit, Periode und wird nun /Pe:-la:/ gesprochen. สระ kann ebenfalls unterschiedlich ausgesprochen werden, einerseits /,sa/ (Teich) und andererseits /,sa-,ra/ (Vokal). Hier ein weiteres Beispiel für unterschiedliche Lesarten:
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(1a) |
ตากลม (= ตา กลม) |
(1b) |
ตากลม (= ตาก ลม) |
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/ta: |
glom/ |
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/,ta:k |
lom/ |
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ตา |
กลม |
ตาก |
ลม |
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Auge |
rund |
ausgesetzt sein |
Wind |
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große, runde Augen |
frische Luft schnappen |
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Eine zusätzliche Schwierigkeit bereiten Homophone. Das sind Wörter, die trotz unterschiedlicher Schreibweisen gleich gesprochen werden. Deutsche Beispiele sind bis – Biss, bot – Boot, ehe – Ehe, fest – Fest. Ein thailändisches Paradebeispiel für Homophonie ist folgendes:
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กาญจน์ |
กาน |
การ |
การณ์ |
กาล |
กาฬ |
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Gold |
stutzen |
Arbeit |
Ereignis |
Zeit |
schwarz |
Alle sechs Beispiele werden /ga:n/ ausgesprochen. Nicht von ungefähr ist die Verwendung von Homophonen eine beliebte Technik, die im Thai häufig für das Spiel mit Worten eingesetzt wird. Wortspiele dieser Art lassen sich nicht ins Deutsche übertragen, da die Pointen beim Übersetzen verloren gehen.